Dr. Katharina Hamann schloss 2017 ihr Studium der Ernährungswissenschaft (M.Sc.) an der Universität Potsdam ab. Bereits während des Studiums sammelte sie umfangreiche praktische Erfahrungen durch mehrere Praktika in den Bereichen Tiermedizin und Tierernährung. Seit 2017 ist sie als tiermedizinische Assistentin in verschiedenen tierärztlichen Praxen tätig. Wir sprechen mit ihr über das Thema Ernährung im Management der Osteoarthrose.
Frau Hamann, Sie arbeiten seit 2017 in tierärztlichen Praxen, zunehmend mit dem Schwerpunkt Ernährung. Als Ernährungswissenschaftlerin haben Sie einen besonderen Blick auf die Fütterung. Welche Möglichkeiten bietet die Ernährung im Management der Osteoarthrose?
Eine der wichtigsten, zugleich einfachsten und dennoch häufig unterschätzten Maßnahmen ist das Erreichen und Halten des Idealgewichts. Jedes zusätzliche Kilogramm bedeutet eine erhebliche Mehrbelastung für die Gelenke. Ergänzend spielen regelmäßige, angepasste Bewegung sowie ein guter Muskelaufbau eine zentrale Rolle.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist eine möglichst naturnahe, individuell auf den Patienten abgestimmte und ausgewogene – also bedarfsdeckende – Fütterung. Viele konventionelle Fertigfuttermittel sind nicht nur stark verarbeitet und erhitzt, sondern auch in ihrer Zusammensetzung verbesserungswürdig. Ein hoher Anteil an Kohlenhydraten kann chronisch schwelende Entzündungsprozesse im Körper fördern und dadurch die Reizung der Gelenke zusätzlich verstärken.
Hochwertige Ergänzungsfuttermittel, etwa Präparate mit einer definierten und ausreichend hohen Menge an Glucosamin und Chondroitin, haben sich sowohl wissenschaftlich als auch in der Praxis bewährt. Sie können das Management sinnvoll unterstützen und stellen einen wichtigen Baustein in der Therapie dar. Dabei ist es essenziell, das Etikett genau zu prüfen: Der Markt ist mit Gelenkpräparaten nahezu überflutet, viele enthalten jedoch nur sehr geringe Wirkstoffmengen oder deklarieren diese unzureichend. Häufig wird mit Streckstoffen gearbeitet, teilweise ist sogar Zucker enthalten – was aus meiner Sicht absolut kontraproduktiv ist.

Osteoarthrose ist ein häufiges Problem – und betrifft nicht nur alte Hunde.
Die Osteoarthrose begegnet uns in der Praxis immer häufiger. Dabei handelt es sich längst nicht ausschließlich um ein Problem älterer Hunde. Auch junge Tiere können betroffen sein, insbesondere solche, die stark körperlich gefordert werden – etwa im Hundesport wie Agility. Durch die hohe Belastung kann es zu einem beschleunigten Verschleiß der Gelenkstrukturen kommen, der bereits frühzeitig Beschwerden verursacht.
Aber nicht nur Sporthunde entwickeln teilweise früh Arthrose. Auch wildes, unkontrolliertes Ballspielen im unaufgewärmten Zustand mit abrupten Stop-and-Go-Bewegungen – nach dem Motto „mal schnell zehn Minuten Bällchen werfen, damit der Hund müde wird“ – kann langfristig Gelenkschäden begünstigen. Diese Art der Beschäftigung hat wenig mit sinnvoller Auslastung oder echtem Wohlbefinden zu tun. Sie fördert vielmehr eine Art Ballfixierung, die das Gehirn stark pusht – vergleichbar mit Suchtverhalten. Der Hund gerät in einen Tunnelblick, nimmt seinen Körper kaum noch wahr und überschreitet regelmäßig seine Belastungsgrenzen.
Sinnvoller sind Alternativen wie das Verstecken von Spielzeug oder Futter, bei denen der Hund mit der Nase arbeiten darf. Diese Form der Nasenarbeit fördert nicht nur die Impulskontrolle, sondern schafft gemeinsame, positive Erlebnisse und stärkt die Bindung durch das „Zusammenarbeiten“. Zudem macht sie angenehm müde und zufrieden: Zehn Minuten intensives Schnüffeln und Suchen können mehr auslasten als eine Stunde Spaziergang.
Natürlich darf ein Hund im Rahmen eines gesunden Bewegungsmixes auch einmal richtig aufdrehen und wild spielen – zum Beispiel beim Zerrspiel mit dem Besitzer. Auch Joggen oder Radfahren mit dem Hund bringt eine gleichmäßige, gelenkschonende Bewegung für Mensch und Tier. Freie Bewegung ohne Leine und nach Herzenslust rennen zu dürfen ist ebenfalls wichtig – vorausgesetzt, der Hund ist zuverlässig abrufbar, um sich selbst und andere nicht zu gefährden. Für meinen eigenen Hund Brownie gehört das fest zu einem erfüllten Hundeleben dazu.
Welche Herausforderungen erleben Tierhalter langfristig bei dieser unheilbaren Erkrankung?
Für viele Tierhalter ist es emotional sehr belastend, mitanzusehen, wie alltägliche Bewegungen wie Aufstehen oder Gehen ihrem Tier Schmerzen bereiten. Hinzu kommt, dass eine dauerhafte Schmerzmedikation nicht nur mit hohen Kosten verbunden ist, sondern langfristig auch den Organismus belasten kann.
Entzündungshemmende Medikamente sollten daher in der Regel zeitlich begrenzt eingesetzt werden – etwa nach Operationen, bei akuten Verletzungen oder während schmerzhafter Schübe. Eine Ausnahme bilden schwer erkrankte Tiere, bei denen der Fokus im letzten Lebensabschnitt auf einer möglichst hohen Lebensqualität liegt.
„Zehn Minuten intensives Schnüffeln und Suchen können mehr auslasten als eine Stunde Spaziergang“
Welche weiteren Möglichkeiten der Unterstützung gibt es?
Ein orthopädisches Hundebett in ausreichender Größe, auf dem sich der Hund bequem ausstrecken kann, ist eine sehr sinnvolle Investition. Diese Betten schirmen die Bodenkälte ab und bestehen meist aus speziellem Memory-Schaum, der die Gelenke effektiv entlastet.
Auch regelmäßige Behandlungen durch qualifizierte Physiotherapeuten oder Osteopathen können viel bewirken, indem sie Verspannungen und Blockaden lösen. Ergänzend dazu sind angeleitete Übungen und Massagen, die der Besitzer zu Hause durchführen kann, äußerst wertvoll und unterstützen das Gesamtpaket.
Darüber hinaus können Verfahren wie Akupunktur, TENS, Magnetfeldtherapie oder Laserbehandlungen – in fachkundigen Händen – gezielt dazu beitragen, die Beweglichkeit zu erhalten und Schmerzen zu lindern.
Fotos: Katharina Hamann / VETspert
Dr. Katharina Hamann schloss 2017 ihr Studium der Ernährungswissenschaft (M.Sc.) an der Universität Potsdam ab. Bereits während des Studiums sammelte sie umfangreiche praktische Erfahrungen durch mehrere Praktika in den Bereichen Tiermedizin und Tierernährung. Seit 2017 ist sie als tiermedizinische Assistentin in verschiedenen tierärztlichen Praxen tätig, mit besonderem Schwerpunkt auf der Chirurgie. Aktuell arbeitet sie als Tiermedizinische Fachangestellte und Ernährungswissenschaftlerin in der Überweisungspraxis für Kleintierchirurgie von Dr. Detlef Apelt. Neben ihrer beruflichen Tätigkeit engagiert sie sich mit großer Leidenschaft für das Wohl ihrer tierischen Patienten und verbringt ihre Freizeit mit ihrem Airedale Terrier Harvey.

